Chronik & Heimatgeschichte
Von den ersten Siedlungsspuren über mittelalterliche Rittergeschlechter bis hin zur modernen Entwicklung: Entdecken Sie die reiche Geschichte der Marktgemeinde St. Stefan im Rosental.
1. Unsere Gemeinde-Chroniken

Die neue Gemeinde-Chronik (2014 – 2024)
Anlässlich des 70-jährigen Bestehens unserer Marktgemeinde präsentieren wir Ihnen mit Freude diese umfassende Dokumentation. Sie bietet einen detaillierten Überblick über die besonderen Ereignisse, Meilensteine und Entwicklungen, die St. Stefan im Rosental in den Jahren 2014 bis 2024 geprägt haben. Hochwertige Texte, zeitgenössische Fotos und Grafiken laden dazu ein, dieses dynamische Jahrzehnt noch einmal lebendig werden zu lassen.
Diese Jubiläumsausgabe ergänzt und vollendet die bisherigen historischen Werke unserer Gemeinde – beginnend mit den geschätzten Ausgaben von 1954 und 1984 sowie der großen Chronik zum 60-jährigen Bestehen. Sie soll Erinnerungen wecken, zum Innehalten anregen und die beeindruckende Vielfalt unseres gemeinsamen Gemeindelebens sichtbar machen.
Rückblick: Die Ortschronik 2014 (60-Jahre-Jubiläum)
Zum großen 60-jährigen Jubiläum der Markterhebung wurde die Geschichte von St. Stefan im Rosental umfassend aufgearbeitet und die Epoche von 1984 bis 2014 detailliert festgehalten. Auch Restexemplare dieser geschichtsträchtigen Ausgabe sind weiterhin im Marktgemeindeamt erhältlich.
Ein Blick zurück: Unsere historischen Chronik-Ausgaben
Ausgabe 2014
Ausgabe 1994
Ausgabe 1984
Ausgabe 1954Ergänzende historische Dokumente
Neben den klassischen Gemeinde-Chroniken wurde im Zuge der geschichtlichen Aufarbeitung auch eine umfassende, separate Schulchronik erstellt, welche die Entwicklung unseres Bildungswesens über die Jahrzehnte hinweg eindrucksvoll dokumentiert.
2. Der Name „Rosental“
Schon im Altertum dürfte diese Gegend bäuerlichen Charakter besessen haben. Einzelne Gräberfelder (bei Aschau und am Breinberg) sowie ein im Jahre 1846 in einem Acker an der Saß gemachter Fund von 50 römischen Münzen weisen darauf hin, dass bereits Kelten und Römer hier gesiedelt haben. Im 6. nachchristlichen Jahrhundert drangen die Slawen in die Steiermark ein. Nach der Besiegung der Awaren durch Karl den Großen am Ende des 8. Jahrhundert wurde die ganze heutige Steiermark ins Frankenreich eingefügt.
Im 9. Jahrhundert dürften zum erstenmal deutsche Kolonisten auch den Boden des oberen Saßtales betreten haben. Der Name des Dorfes Gigging weist als sogenannter echter „Ingname“ auf eine Gründung durch einen Guki hin. Nur spärliche Reste dieser ersten deutschen Landnahme mögen sich jedoch über die Ungarnstürme erhalten haben, die vom Ende des 9. Jahrhunderts auch diesen Landstrich für fast eineinhalb Jahrhunderten in die Hand der Ungarn gebracht haben. Erst die endgültige Eroberung der Oststeiermark durch die Feldzüge König Heinrichs des Dritten von 1042 bis 1044 machten eine neue deutsche Besiedelung vom Westen her möglich. Diese erste intensive Kolonisation setzte ab dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts ein und erreichte auch das obere Saßtal.
Ortsbild nach dem 1. Weltkrieg
Das Ortsbild im Jubiläumsjahr 1984Sagenhafte Ursprünge
Woher der Name Rosental genau seinen Ursprung hat, konnte historisch bisher nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Um diesen schönen Ortsnamen ranken sich jedoch seit Jahrhunderten traditionsreiche Sagen:
Die Sage der gutherzigen Rosa: Vor vielen Jahren soll an der Stelle, wo später der Pfarrhof errichtet wurde, ein nettes Holzhaus gestanden haben. Die Besitzerin hieß Rosa und erfreute sich wegen ihres gutherzigen Wesens großer Beliebtheit. Die fromme Rosa verfügte in ihrem Testament, dass das Holzhaus nach ihrem Tode Eigentum der Kirche werden solle. Zum Dank für ihre guten Taten nannte man das Tal, in dem sie gewohnt hatte, „Rosatal“, woraus später das heutige „Rosental“ wurde.
Das Rosenwunder vom Greinerkogel: Alte Sagen berichten von einem stattlichen Schloss am Greinerkogl (Rittergeschlecht der Hagegker). Der dortige Schlossherr soll ein gar strenger Richter gewesen sein. Seine mildtätige Tochter hingegen brachte den Gefangenen des Öfteren heimlich Speis und Trank. Als der Vater sie eines Tages ertappte und streng nach dem Inhalt ihrer Schürze fragte, antwortete das erschrockene Mädchen: „Rosen hab ich drinnen“. Und tatsächlich: Als der Schlossherr hineinblickte, waren alle Speisen zu wunderschönen Rosen geworden. Dieses Wunder gilt in der mündlichen Überlieferung als Namensgeber für das Tal.
3. Die Kirche und die mittelalterliche Pfarre
Kirchlich gehörte St. Stefan ursprünglich zur Ur- und Mutterpfarre St. Georgen an der Stiefing, die im Zuge der Kolonisationsbewegung eine Reihe von Tochterkirchen in Kirchbach, St. Stefan, Wolfsberg und Jagerberg um sich legte. Im Jahre 1248 schenkte Erzbischof Phillip von Salzburg die Pfarre St. Georgen dem Bistum Seckau als Mensalpfarre. Durch diese Schenkung kam auch die Kirche St. Stefan an das Bistum Seckau.
Die Pfarre St. Stefan kam nach Kleins Kirchengeschichte schon im 13. Jahrhundert vor. Im Jahre 1256 wurde sie von Ulrich von Seckau an Gundacker von Gleitsau verpfändet und kam im Jahre 1269 durch den Bischof Bernhard wieder an Seckau zurück. In dieser Urkunde des Jahres 1269 wird St. Stefan zum ersten Mal namentlich urkundlich genannt. Ziemlich gleichzeitig wird St. Stefan auch im Urbar des Böhmenkönigs Ottokar (1265 bis 1267) erwähnt.
Die genaue Ausdehnung der mittelalterlichen Pfarre St. Stefan ist aus dem Zehentbuch des Bistums Seckau aus dem Jahre 1406 ersichtlich. Sie umfasste folgende Ortschaften in ihrer damaligen Schreibweise: Sand Stephan, Tolraitt, Chrotendorf, Reicharsdorf, Schilhennaw, Geräwt, Fränbach, Mukental, Magesdorf, Gukking, Lubichendorf, Mäwsenräwt (abgekommen) und Trebsen (= Trössengraben). In allen diesen Dörfern zusammen bestanden damals 141 Häuser. Die mittelalterliche Pfarre zählte etwa 550 bis 700 Einwohner. Obwohl kein mittelalterlicher Pfarrer namentlich überliefert ist, weist die Bezeichnung „Widenhof“ von 1414 eindeutig auf einen bestehenden Pfarrhof hin.
Baugeschichte & Legende
Wann die Kirche erbaut wurde, ist historisch nicht exakt datiert. Eine Sage erzählt, dass das Presbyterium (der Vorderteil des heutigen Kirchenschiffes) aus einem alten Tempel hervorgegangen sei. Den übrigen Teil der Kirche habe eine wohlhabende Frau, Besitzerin von Waldeck, erbauen lassen und dafür ihr gesamtes Vermögen geopfert, woraufhin sie selbst in Armut geriet. Heute präsentiert sich die einschiffige Kirche von mittlerer Größe mit einem markanten Turm und 6 Glocken im Herzen des Pfarrsprengels.
4. Die Hagegker als Grundherren
Die Hagegker sind jenes adelige Geschlecht, das durch zwei Jahrhunderte der Blütezeit des mittelalterlichen St. Stefan die Hauptrolle auf diesem Boden gespielt hat und eng mit der Geschichte des Ortes verwoben ist. Das frühe Auftreten dieses Rittergeschlechts lässt vermuten, dass ihre Anfänge noch in die Zeit der Auflösung des ursprünglichen Gutshofes zurückreichen. Der gesamte Hagegker Besitz, wie er um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Erscheinung trat, umfasste das Gebiet von St. Stefan und Greith mit der anschließend gelegenen Burg „Hagegk“.
Der erste namentlich genannte Vertreter des Geschlechtes ist der im Jahre 1273 als Zeuge in einer Urkunde vorkommende Ulricus de Hagegker. Sein Sohn dürfte, dem reichhaltigen Hagegker Archivinventar nach zu schließen, der im Jahr 1309 erwähnte Rudolf de Hagegker gewesen sein.
5. Schloss Waldegg oder Narreneck
Das Schloss liegt westlich von Glatzau in einem kleinen Seitental. Es wurde im 16. Jahrhundert an der Stelle des alten Wehrbaues zu Tagensdorf errichtet. Ursprünglich wohl nur ein bescheidener wehrhafter Hof, von Mauern und Graben umgeben, war Narreneck um das Jahr 1700 ein stattliches Gebäude. Das Schloss selbst war ein langgestreckter viereckiger Bau und begrenzte mit dem gleichlaufenden Wirtschaftsgebäude, mit dem es durch einen Bogengang verbunden war, einen langgestreckten Innenhof. Ein breiter Graben, der früher mit Wasser gefüllt war, umgab das Areal. Heute dient das zum Teil abgetragene Schloss als Wirtschaftsgebäude, während das alte Wirtschaftsgebäude zum Wohnhaus umgebaut wurde. Der historische Turm wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen; Graben und Mauern sind heute verschwunden.
Die wechselvolle Geschichte des Adelssitzes
Georg Narringer dürfte mit dem Neubau dieses Hofes bald nach 1420 begonnen haben. Sein Erbe Mert setzte den Bau fort und erhielt 1443 von König Friedrich IV. die landesfürstlichen Lehen. Seine Söhne Christof und Andreas stellten sich 1469 auf die Seite Andreas Baumkirchers. Nach schweren Kriegsschulden musste der Sitz 1473 an Erhart Lembacher verpfändet werden. Als Christof Narringer sich 1477 erneut gegen den Kaiser erhob, ließ dieser Narreneck angreifen, einnehmen und vollständig zerstören.
Trotz aller Widerstände baute Christof das Haus wieder auf. Um 1500 erwarb Andree Gleispacher das Anwesen. Wilhelm von Gleispach baute das Schloss weiter aus und schuf einen stattlichen Edelsitz. Nach einer Zwischenstation im Besitz der Freiherrn von Eibiswald (welche 1642 die kaiserliche Erlaubnis erhielten, Narreneck fortan „Waldegg“ zu nennen), ging die Herrschaft 1718 an Sigmund Freiherrn von Schwizen über.
Aus jener Epoche sind kuriose Gerichtsakten überliefert: Franziska Xaveria, die Gattin des Freiherrn, beklagte sich gerichtlich über das „allzuhart zu erdulden habende Tractament“ ihres Gatten und den mangelnden Unterhalt, da dieser sie zeitweise ohne Lebensmittel zurückließ. Erst das Einschreiten des Landeshauptmannes führte zu einer Einigung. Im Jahre 1762 bedachte Sigmund Freiherr von Schwizen die Kirche St. Stefan in seinem Testament mit einer Stiftung von 100 Gulden. Da die Gemeinde damals keinen eigenen Geistlichen besaß, leistete diese Stiftung einen historischen Beitrag zur späteren Wiedererrichtung der eigenständigen Pfarre St. Stefan.




